Domstift Merseburg

eine ottonische Gründung

Im 10. Jahrhundert erwarb König Heinrich I. Merseburg und das umgebende Gebiet und baute es zur Pfalz aus. Im Jahre 968 gründete Otto I. (der Große) das Bistum Merseburg, das dem Heiligen Laurentius geweiht wurde. In Anknüpfung an eine Johanniskirche entstand der Merseburger Dom St. Laurentius und St. Johannes der Täufer. 981 erfolgte die Auflösung des Bistums, 1004 wurde es durch Kaiser Heinrich II. neu begründet.

Domstift Merseburg – eine ottonische Gründung

Die von den ottonischen Herrschern bereits im frühen 10. Jahrhundert begründete Merseburger Pfalz zählte im Hochmittelalter zu den bevorzugten Aufenthaltsorten der deutschen Könige. Seit der Neustiftung des Merseburger Bistums durch Kaiser Heinrich II. im Jahr 1004 entwickelte sich Merseburg zu einem geistlichen und kulturellen Zentrum an der östlichen Reichsgrenze. Dom und Bischofsschloss erheben sich auch heute noch auf einem imposanten Plateau am Westufer der Saale. Mit seiner reichen architektonischen und künstlerischen Ausstattung sowie einer kostbaren mittelalterlichen Handschriftensammlung gehört der Merseburger Dom zu den bedeutendsten Erinnerungsorten der mittelalterlichen Sakralkultur.

Ein heiliger Kaiser als Stifter

Bereits im frühen 10. Jahrhundert erwarb König Heinrich I. den Grafensitz Merseburg und baute ihn zur Pfalz für sich und seinen Hofstaat aus. Sein berühmter Sohn, Kaiser Otto der Große, begründete im Jahr 968 in unmittelbarer Nähe der Pfalz den Bischofsitz für die neue Merseburger Diözese, die jedoch nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wurde. Erst die umfangreichen Stiftungen Kaiser Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde ermöglichten die feierliche Neubegründung des Merseburger Bistums im Jahr 1004. An der Weihe des 1015 begonnenen frühromanischen Domes nahm Heinrich II. persönlich teil. Der später heilig gesprochene Herrscher wird in Merseburg bis heute als herausragende Stifterpersönlichkeit verehrt. 

Die Merseburger Zaubersprüche

Zu den frühen Schenkungen an die Merseburger Bischofskirche gehörten nicht nur große Ländereien und weitreichende Privilegien. Grundlage für die Arbeit der Geistlichen als Missionare und Seelsorger war die Beschaffung von liturgischen Büchern, die einen wichtigen Teil der kaiserlichen Ausstattung bildeten. Bis heute werden in der Merseburger Domstiftsbibliothek herausragende Zeugnisse der frühmittelalterlichen Schriftkultur und Buchmalerei bewahrt. wie z.B. die Merseburger Zaubersprüche.

Bischof Thietmar von Merseburg – Chronist der Ottonen

Der vierte Merseburger Bischof Thietmar (1009-1018) ist als einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber des Mittelalters weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt geworden. Seine hochrangigen Kontakte zur Königsfamilie und seine intimen Kenntnisse von den Verhältnissen am Hofe machen seine Chronik zu einer der wichtigsten Quellen für das Zeitalter der Ottonen. Bis heute wird die Erinnerung an den berühmten Bischof in Merseburg durch seine Grabplatte im Dom sowie durch einen Thietmar-Brunnen im Kreuzhof am Leben erhalten. 

Ein Missionsbistum für die Slawen

Bis in das 12. und 13. Jahrhundert hinein bestand eine der wichtigsten Aufgaben der Merseburger Geistlichen darin, diese Gebiete der größtenteils heidnischen Slawen östlich der Saale zu missionieren und mit einer kirchlichen Struktur zu überziehen. Im Spätmittelalter hatte Merseburg nicht nur die geistliche Aufsichtsgewalt über Hunderte von Dörfern, sondern ebenso über blühende Handelsmetropolen, allen voran die Messestadt Leipzig. Entsprechend der Bedeutung des Stifts für die Region versuchten die mächtigen Wettiner als Kurfürsten von Sachsen seit dem 15. Jahrhundert Einfluss auf die Bischofswahl und das Domkapitel in Merseburg zu nehmen, womit die Stiftsterritorien zum Spielball der großen Politik wurden.

Bischof Thilo von Trotha und der Merseburger Rabe

Am Ende des Mittelalters erlebte Merseburg unter Bischof Thilo von Trotha (1466-1514) noch einmal eine Blütezeit. Das bedeutendste Zeugnis seiner fast fünfzigjährigen Amtszeit ist das eindrucksvolle architektonische Ensemble von Bischofsschloss und Domkirche, das bis heute die Erscheinung der Merseburger Altstadt prägt. Im Zentrum seines Familienwappens derer von Trotha steht ein Rabe mit einem goldenen Ring im Schnabel, an den sich die Rabensage knüpft.

Das Merseburger Domstift und die Reformation

Während große Teile der Diözese durch den Einfluss der lutherisch gesinnten Kurfürsten von Sachsen schnell von der Reformation erfasst wurden, leisteten die Altgläubigen in dem vom Bischof und dem Domkapitel direkt kontrolliertem Merseburger Hochstiftsgebiet noch längere Zeit heftigen Widerstand. Erst mit dem Tod des Bischofs Sigismund von Lindenau (1535-1544) waren auch in der Merseburger Domkirche ,,die Messen gesungen“. Im darauffolgenden Jahr 1545 konnte Martin Luther im Merseburger Dom mit Fürst Georg III. von Anhalt einen evangelischen Bischof weihen. Das kurze Intermezzo des letzten katholischen Bischofs Michael Helding (1549-1561), änderte nichts mehr am letztendlichen Erfolg der Reformation im Merseburger Stiftsgebiet. 

Das Merseburger Domstift in der Neuzeit

Die Nachfolge der Bischöfe traten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts so genannte evangelische Administratoren an, die den einstigen weltlichen Herrschaftsbereich der Bischöfe verwalten sollten. Die Administratoren stammten stets aus der sächsischen Herrscherfamilie der Wettiner und bemühten sich, das Merseburger Stift ihrem sächsischen Erbland einzuverleiben. Dem Merseburger Domkapitel ist es dennoch gelungen, seine Existenz zu sichern.

Obwohl den verbliebenen katholischen Domherren nur noch nachfolgten, wurden viele aus dem Mittelalter stammende Gewohnheiten und liturgische Praktiken in die Neuzeit übernommen. Seinen souveränen juristischen Status konnte sich das Kapitel formal bewahren, indem es weiterhin das Recht zur Wahl der Administratoren wahrnahm. Zwischen 1657 und 1738 regierten die Administratoren als Herzöge von Sachsen-Merseburg, wodurch der einstige Bischofsitz noch einmal eine kurze Blüte als fürstliche Residenz erlebte.

Vom Stift zur Stiftung

Mit dem Übergang eines Großteils der sächsischen Territorien an Preußen nach dem Wiener Kongress von 1815 schien das Ende der letzten noch in Mitteldeutschland verbliebenen  Domstifte kurz bevorzustehen. Die preußische Regierung musste jedoch schnell feststellen, dass die Verwaltungen der Domstifte seit Jahrhunderten vielfältige hoheitsrechtliche Aufgaben u.a. als Gerichtsherren erfüllten sowie Kirchen und Schulen unterhielten. Daher wurden die Domstifte in die neue preußische Provinzialverwaltung eingegliedert, anstatt aufgelöst zu werden. Der rechtliche Status der Stifte blieb indes über ein Jahrhundert ungeklärt.

Erst im Jahr 1930 wurde mit der Umwandlung der Institutionen in Stiftungen öffentlichen Rechts eine neue und zeitgemäße Existenzgrundlage geschaffen. Der letzte Merseburger Domdechant Generalfeldmarschall August von Mackensen (1849-1945) wurde 1935 erster Dechant des neugebildeten Vereinigten Domkapitels mit Sitz in Naumburg. Nachdem die bis dahin formal eigenständigen Stiftungen im Jahr 1994 zu einer einzigen Körperschaft zusammengeführt wurden, ist das Merseburger Domstift heute Teil der Vereinigten Domstifter zu Merseburg, Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz.