Kollegiatstift Zeitz

eine ottonische Gründung

Kollegiatstift Zeitz – eine ottonische Gründung

Als Bischofsitz im Jahr 968 durch Kaiser Otto den Großen gegründet, wurde das ehemalige Zeitzer Domstift in ein Kollegiatstift umgewandelt, an dem während des gesamten Mittelalters die Erinnerung an den prominenten Stifter lebendig blieb. Als Wohnsitz der Naumburger Bischöfe war Zeitz im Spätmittelalter ein bedeutender Residenzort. Die hier von den Naumburger Bischöfen und Zeitzer Stiftsherren hinterlassen Bücher bildeten den Grundstock für einen der bedeutendsten historischen Buchbestände Mitteldeutschlands: der Zeitzer Stiftsbibliothek. Mit dem letzten Naumburger Bischof Julius von Pflug wirkte in Zeitz eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des Zeitalters der Reformation. 

Eine Stiftung Ottos des Großen

Zeitz war bereits im Frühmittelalter Zentrum eines slawischen Stammesgebietes. Nachdem das Land zwischen Saale und Oder im 10. Jahrhundert dem Reich angegliedert worden war, gründete Kaiser Otto der Große im Jahr 968 in Zeitz ein Bistum mit dem Ziel diese Region zu missionieren und mit einer kirchlichen Struktur zu versehen. Nur 60 Jahre später kam es zu einem bis dahin beispiellosen Ereignis in der Reichsgeschichte. Unter dem Einfluss der Markgrafenfamilie der Ekkehardiner bestimmten Papst Johannes XIX. und Kaiser Konrad II. im Jahr 1028 die Verlegung des Bischofsitzes in die neue Gründung der Markgrafen nach Naumburg. Um die Erinnerung an den Stifter Otto den Großen lebendig zu halten, setzte man an der ehemaligen Zeitzer Kathedrale ein Kollegiatstift ein. 

Der Streit um den Bischof

Seit der Verlegung des Bischofsitzes nach Naumburg im Jahr 1028 führten die Zeitzer Stiftsherren einen hartnäckigen Kampf um die Wiederherstellung der alten Rechte ihrer Kirche. Der Streit mit dem Naumburger Domkapitel um die höhere Würde und das Recht, den Bischof wählen zu dürfen, wurde 200 Jahre lang erbittert geführt, bis im Jahr 1230 unter Vermittlung hoher kirchlicher Würdenträger ein Kompromiss gefunden wurde. Naumburg blieb Sitz des Bistums und das dortige Domkapitel sollte auch weiterhin den Bischof wählen. Im Gegenzug sollte der Zeitzer Dompropst in das Naumburger Kapitel aufgenommen und ihm die dritte Wahlstimme zugesprochen werden. Darüber hinaus wurden die Naumburger Geistlichen dazu verpflichtet, das feierliche Gedenken an den Zeitzer Gründer Otto auch im Naumburger Dom einzuführen.  

Residenz der Naumburger Bischöfe im Spätmittelalter

Am Ende des 13. Jahrhunderts befand sich das Naumburger Bistum in einer schweren Krise. Hoch verschuldet durch die Kosten für den aufwändigen Neubau des Naumburger Domes und die katastrophalen Folgen eines langen Krieges zwischen den Landgrafen von Thüringen und den Markgrafen von Meißen, mussten die Bischöfe ihr ehrgeiziges Ziel einer großen unabhängigen Landesherrschaft aufgeben. Hinzu kam die Bedrängung eines immer stärker werdenden Domkapitels in Naumburg. Im Jahr 1285 verließ Bischof Bruno seine Naumburger Residenz, um sich dauerhaft im 35 Kilometer entfernten Zeitz niederzulassen. In den folgenden 280 Jahren bis zum Ende des Bistums residierten die Bischöfe mit ihrem Hofstaat in der Zeitzer Burg. Den Bischofsitz in Naumburg besuchten sie nur noch selten, um ihren liturgischen Verpflichtungen nachzukommen oder im Naumburger Dom zur letzten Ruhe gebettet zu werden.

Julius von Pflug – ein Gelehrter auf dem Bischofsthron

Im Jahr 1547 bestieg Julius von Pflug als vierzigster und zugleich letzter Bischof die Naumburger Kathedra. Mit seiner herausragenden Persönlichkeit erlebte das Bischofsamt noch einmal eine unverhoffte Blüte. Als humanistisch geprägter Universalgelehrter in den Strudel der Reformation geraten, fungierte er als entscheidender Berater Kaiser Karls V. in Religionsfragen.

In der Auseinandersetzung mit den protestantischen Reformatoren, deren theologische Werke er bestens kannte, setzte Pflug auf eine Politik des Ausgleichs. In seinem Testament vermachte er dem Naumburger Domkapitel seine einzigartige Gelehrtenbibliothek und bestimmte, dass sie dauerhaft in Zeitz aufgestellt werden solle. Neben den mittelalterlichen Beständen der Naumburger Bischöfe und Zeitzer Stiftsherren bildet die Sammlung Pflugs den Kern der historischen Zeitzer Stiftsbibliothek, die einen der bedeutendsten Bücherschätze Mitteldeutschlands verwahrt. 

Kirchenkasten und Prokuratur

Noch unter dem letzten Bischof Julius von Pflug trat im 16. Jahrhundert in Zeitz eine weitere Stiftung ins Leben. Der Zeitzer Kirchenkasten fasste verschiedene ehemalige geistliche Besitzungen zusammen, die im Zuge der Reformation vakant geworden waren. Der Erlös aus diesen Gütern floss vor allem in die Zeitzer Stiftsschule, dem späteren Stiftsgymnasium. Die dritte Zeitzer Stiftung war das so genannte Prokuraturamt. Nachdem Zeitz im Jahr 1657 Residenzort des kleinen Herzogtums Sachsen-Zeitz geworden war, bemühten sich die Herzöge, das alte Kollegiatstift endgültig zu zerschlagen. Es gelang ihnen jedoch lediglich, einen Teil der Einkünfte des Stifts herauszulösen, die dem neuen Prokuraturamt zufielen. Der Stiftungszweck bestand in der Aussteilung von Studienstipendien für begabte Zeitzer Knaben und in der Versorgung von Waisenkindern.

Zwei Kirchen und kein Dom

Während die Zeitzer Stiftskirche St. Peter und Paul im 17. Jahrhundert als Hofkirche an die Herzöge von Sachsen-Zeitz abgetreten werden musste und nie wieder in den Besitz des Kollegiatstifts zurückgekehrt ist, gehören neben weiteren Liegenschaften heute noch die Zeitzer Stadtpfarrkirche St. Michael und das alte Franziskanerkloster zum Besitz der Vereinigten Domstifter. Beide Kirchen haben sich einen reichen architektonischen Bestand aus dem Hochmittelalter erhalten und prägen bis heute das Zeitzer Stadtbild. Die Pfarrkirche St. Michael ist zudem Zentrum eines regen evangelischen Gemeindelebens.

Vom Stift zur Stiftung

Mit dem Übergang eines Großteils der sächsischen Territorien an Preußen nach dem Wiener Kongress von 1815 schien das Ende der letzten noch in Mitteldeutschland verbliebenen  Stifte kurz bevorzustehen. Die preußische Regierung musste jedoch schnell feststellen, dass die Verwaltungen der Domstifte seit Jahrhunderten vielfältige hoheitsrechtliche Aufgaben u.a. als Gerichtsherren erfüllten sowie Kirchen und Schulen unterhielten. Anstatt die antiquierten geistlichen Institutionen vollständig aufzulösen, wurden die Domstifte in den Dienst der neuen preußischen Provinzialverwaltung gestellt. Der rechtliche Status der Stifte blieb indes über ein Jahrhundert ungeklärt.

Erst im Jahr 1930 wurde mit der Umwandlung der Institutionen in Stiftungen öffentlichen Rechts eine neue und zeitgemäße Existenzgrundlage geschaffen. Auch die drei Zeitzer Stifte bzw. Fonds (Kollegiatstift, Kirchenkasten, Prokuratur), die bereits zuvor der Aufsicht des Naumburger Domkapitels unterstellt waren, fielen 1935 unter die Verwaltung des neugebildeten Vereinigten Domkapitels. Nachdem die fünf bis dahin formal eigenständigen Stiftungen im Jahr 1994 zu einer einzigen Körperschaft zusammengeführt wurden, sind das Kollegiatstift, der Kirchenkasten und die Prokuratur in Zeitz heute Teil der Vereinigten Domstifter zu Merseburg, Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz.