Die Vereinigten Domstifter

eine der traditionsreichsten Stiftungen in Deutschland

Die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz zählen zu den traditionsreichsten Einrichtungen in Deutschland. Während die Vereinigten Domstifter in ihrer heutigen Form als gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts auf das Jahr 1930 zurückgehen, reichen die Wurzeln des Naumburger und Merseburger Domkapitels bis in die Zeit vor 1.000 Jahren.

TRIEGEL TRIFFT CRANACH – Der Marienaltar im Naumburger Dom

Stellungnahme der Vereinigten Domstifter

Die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz nehmen zur laufenden Diskussion zum Projekt „Triegel trifft Cranach" wie folgt Stellung:

  1. 1. Der von Lukas Cranach zwischen 1517 – 1519 für den Westchor des Naumburger Doms geschaffene Marienaltar wurde lange vor der Entstehung von Denkmalpflegebehörden für den liturgischen Dienst der Naumburger Domkirche geschaffen. Auch die Funktion des jetzt wiederhergestellten Retabels dient dem Gottesdienst, ökumenischen Andachten und zahlreichen weiteren liturgischen Handlungen. Der Vertrag des Landes Sachsen-Anhalt mit den Evangelischen Landeskirchen in Sachsen-Anhalt vom 15.9.1993 § 9 Absatz (2) gewährleistet die Widmung der Kirchengebäude der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz für kirchliche und diakonische Zwecke. In § 10 Absatz 1 heißt es: „Die Denkmalbehörden haben bei Kulturdenkmalen der Kirchen, die dem Gottesdienst oder sonstigen Kulthandlungen zu dienen bestimmt sind, die kultischen und seelsorgerlichen Belange, die von der zuständigen Kirchenleitung festzustellen sind, vorrangig zu beachten. Mit Schreiben vom 22. Juni 2022 wurde durch den Landesbischof Friedrich Kramer dieser Sachverhalt für das Triegel-Cranach Retabel festgestellt. Die evangelische Gemeinde und das evangelische Domkapitel hatten dem Vorhaben bereits am 20. Mai 2020 bzw. am 29.06.2020 einstimmig zugestimmt.
  2. Bis zum Zeitpunkt der Weihe des Altars am 3. Juli 2022 durch Landesbischof Friedrich Kramer und den Bischof des Bistums Magdeburg, Dr. Gerhard Feige, im Rahmen einer ökumenischen Vesper, konnte die Diskussion zu dem Altar mit den Vertretern der ICOMOS-Gremien (und überhaupt allen Denkmalschützern und sonstigen Interessierten) nur sehr theoretisch, sozusagen „nach Papierlage“ geführt werden. Erst seit dem 3. Juli ist die Beurteilung von Sichtachsen etc. in der Realität möglich und daher transparent.
  3. Wir sind mit ICOMOS Deutschland seit 2018 im steten und konstruktiven Austausch.
  4. ICOMOS International ist das zuständige Beratergremium der UNESCO. Seit dem 2. Juli 2022 kennen wir das Gutachten von ICOMOS International zum Projekt „Triegel trifft Cranach“ und werten es zur Zeit noch aus. Unsere Antwort werden wir Anfang der kommenden Woche an das UNESCO-Welterbezentrum in Paris weiterleiten.
  5. Entscheidungen über Welterbe-Titel trifft einzig und allein das UNESCO-World Heritage Komitee. Dem Direktor des UNESCO- Welterbezentrums in Paris haben wir unseren Plan der auf drei Jahre befristeten Aufstellung des Retabels am 3. März 2022 schriftlich angekündigt. Nach den drei Jahren sollte eine gemeinsame Evaluierung des Altarvorhabens und seines Standortes mit ICOMOS stattfinden. Auf Wunsch des Landes Sachsen-Anhalt sind die Vereinigten Domstifter bereit, die Zeitdauer der temporären Aufstellung bis zum 4. Dezember 2022 zu verkürzen, um danach eine Evaluierung des Vorhabens und seines Standortes durchzuführen.
  6. In Ergänzung zu anderslautenden Verlautbarungen kann eine positive oder negative Entscheidung zum Standort der Aufstellung des Altars nur in einer der jährlichen Gremiensitzungen des UNESCO World Heritage Komitees gefällt werden. Der Direktor des UNESCO World Heritage Centers in Paris hat in seinem Begleitschreiben zum oben erwähnten Gutachten von ICOMOS International ausdrücklich festgestellt, dass die Frage des Naumburger Altars nicht Gegenstand der nächsten Sitzung des Welterbekomitees sein wird. Die diesjährige Sitzung, die in Kasan in Russland stattfinden sollte, ist auf Grund des Ukraine-Krieges auf unbestimmte Zeit verschoben und wird frühestens im kommenden Jahr stattfinden. Wir gehen trotz dieser Sachlage davon aus, dass wir zum Zeitpunkt der nächsten Sitzung mit dem UNESCO-World Heritage Zentrum in Paris und ICOMOS International eine gute Lösung für alle Fragen rund um das „Triegel trifft Cranach“-Projekt gefunden haben werden.
  7. Im Herbst werden wir in Naumburg ein Symposium veranstalten, zu dem wir Gegner und Befürworter des Projekts einladen werden, damit die Diskussionspunkte öffentlich ausgetauscht werden können. Bis dahin laden wir alle Interessierten dazu ein, sich vor Ort persönlich eine Meinung zu dem „Triegel trifft Cranach“-Projekt zu bilden.


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       Impuls der Vereinigten Domstifter zum Weihejubiläum des Merseburger Doms

        Von Domherr Prof. Dr. Jörg Ulrich

       

Bewahrer einer 1.000-jährigen Tradition

Die Wurzeln der Vereinigten Domstifter reichen bis in das 10. Jahrhundert zurück, als Kaiser Otto der Große und seine Nachfolger die mitteldeutsche Region zwischen Unstrut, Saale, Harz und Elbe als Kernland ihres Königtums ausbauten und damit eine der bedeutendsten Kulturlandschaften Europas schufen. Nach den Plänen Ottos des Großen wurden im Jahr 968 die beiden Bistümer Merseburg und Zeitz gegründet. Während die Merseburger Diözese nach kurzer Unterbrechung durch Kaiser Heinrich II. im Jahr 1004 neu begründet worden war, siedelte der Zeitzer Bischof mit seinem Domkapitel im Jahr 1028 in den neuen Bischofsitz Naumburg über. Im gleichen Jahr installierte man an der altehrwürdigen Zeitzer Kathedrale ein Kollegiatstift. Diese drei bedeutenden geistlichen Institutionen des Mittelalters (Domstift Merseburg, Domstift Naumburg, Kollegiatstift Zeitz), zu denen im 16. und 17. Jahrhundert noch die beiden Fonds des Zeitzer Kirchenkastens und der Zeitzer Prokuratur hinzukamen, überdauerten bis in das 20. Jahrhundert hinein als formal unabhängige Einzelinstitutionen. Als die verheerenden wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs und der Zusammenbruch des Preußischen Staates die Existenz der einzelnen Institutionen erneut gefährdeten, erfolgte 1935 eine tiefgreifende juristische Umwandlung zu Stiftungen öffentlichen Rechts unter einer gemeinsamen Verwaltung in Naumburg sowie unter einem einzigen Aufsichtsgremium: dem Vereinigten Domkapitel. Heute sind die Bewahrung des reichen kulturellen Erbes und die Beförderung aktueller gesellschaftlicher Leistungen Leitlinien der Stiftungsarbeit. 

UNESCO-Komitee

UNESCO-Komitee sagt „Ja“ in Bahrain

NAUMBURG. Der Naumburger Dom gehört nun endgültig zum Welterbe der Menschheit. Das UNESCO-Welterbe-Komitee hat dies heute (1. Juli 2018) in seiner 42. Sitzung in Bahrain beschlossen. Die 21 Mitglieder des Gremiums folgten nach einer ausführlichen Diskussion damit einem Antrag des Karibik-Staates St. Kitts und Nevis, dem sich weitere Staaten wie Ungarn, Tansania, China, Kuweit und Zimbabwe anschlossen. Der deutschen Delegation, die den Naumburger Antrag in Bahrain vertrat, gehörten auch Landrat Götz Ulrich, der Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter, Dr. Holger Kunde, und der Geschäftsführer des Vereins Welterbe an Saale und Unstrut, Roland Thrän, an.

Die Nachricht wird von der Delegation in Bahrain, in Naumburg und der Saale-Unstrut-Region mit großer Freude und Erleichterung zur Kenntnis genommen. Landrat des Burgenlandkreises und Vorstand des Fördervereins Welterbe, Götz Ulrich: „Die Anerkennung ist eine wunderbare Mannschaftsleistung von Bund, Land und unserem Förderverein Welterbe. In Bahrain gab es ein Auf und Ab der Gefühle, aber jetzt ist alles gut. Oft musste ich an Curt Becker denken. Er hätte sich heute mit uns gefreut. Für mich als Landrat kommt es nun darauf an, dass der Burgenlandkreis etwas von der Strahlkraft unseres Domes abbekommt und auch andere kulturtouristische Orte von der Entscheidung profitieren können.“

Stiftsdirektor Dr. Holger Kunde: „Die Aufnahme des Naumburger Doms in das UNESCO-Welterbe erfüllt mich mit großer Freude und Stolz. Ein langwieriger Prozess ist heute erfolgreich abgeschlossen worden. Das Hauptwerk des Naumburger Meisters hat damit endlich die ihm gebührende internationale Anerkennung gefunden. Ich danke allen, die zu diesem hervorragenden Ergebnis beigetragen haben, sehr herzlich.“

Dechantin der Vereinigten Domstifter und Vorsitzende des Fördervereins Welterbe, Professorin Dr. Karin von Welck: „Die Vereinigten Domstifter sind sehr glücklich, dass es nun endlich Wirklichkeit wird, wofür wir und viele andere mit uns seit Jahren gekämpft haben: Die offizielle Anerkennung des Naumburger Doms als Weltkulturerbe der Menschheit. Mit dieser Eintragung in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes haben wir ein Ziel erreicht, dass uns seit Jahren in Anspruch genommen hat und von dem aus wir nun eine ganz neue nationale und internationale touristische Qualität und Beachtung für unsere wunderschöne Saale-Unstrut-Region entwickeln können. Unser großer Dank geht an alle, die mit uns diesen wichtigen Tag vorbereitet und mit uns der Entscheidung in Bahrain entgegengefiebert haben.“

Oberburgermeister der Stadt Naumburg, Bernward Kuper: „Ich bin bewegt und erleichtert. Nach dem positiven Votum der Kommission 2017 in Krakau waren wir zwar zuversichtlich, aber nun haben wir endlich Gewissheit. Der Titel ist für uns eine große Ehre, und wir sind uns der Verantwortung und der Verpflichtung bewusst, die er mit sich bringt. Unser Dank gilt allen Unterstützern im Haupt- und Ehrenamt, die unseren Antrag über die vielen Jahre unermu?dlich begleitet und unterstützt haben. Der Einsatz hat sich gelohnt. Nun werden wir, beflügelt von der Entscheidung, konsequent weiterarbeiten.“

Geschäftsführer des Fördervereins Welterbe, Roland Thrän: „Große Freude und Erleichterung über die Entscheidung des UNESCO-Komitees. Es hat sich ausgezahlt, dass wir nach dem ersten negativen Gutachten im Jahre 2015 durch ICOMOS ohne Irritationen beharrlich an unserem Ziel weitergearbeitet haben. Der Erfolg gibt uns Recht.“