Die Vereinigten Domstifter

eine der traditionsreichsten Stiftungen in Deutschland

Die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz zählen zu den traditionsreichsten Einrichtungen in Deutschland. Während die Vereinigten Domstifter in ihrer heutigen Form als gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts auf das Jahr 1930 zurückgehen, reichen die Wurzeln des Naumburger und Merseburger Domkapitels bis in die Zeit vor 1.000 Jahren.

Bewahrer einer 1.000-jährigen Tradition

Die Wurzeln der Vereinigten Domstifter reichen bis in das 10. Jahrhundert zurück, als Kaiser Otto der Große und seine Nachfolger die mitteldeutsche Region zwischen Unstrut, Saale, Harz und Elbe als Kernland ihres Königtums ausbauten und damit eine der bedeutendsten Kulturlandschaften Europas schufen. Nach den Plänen Ottos des Großen wurden im Jahr 968 die beiden Bistümer Merseburg und Zeitz gegründet. Während die Merseburger Diözese nach kurzer Unterbrechung durch Kaiser Heinrich II. im Jahr 1004 neu begründet worden war, siedelte der Zeitzer Bischof mit seinem Domkapitel im Jahr 1028 in den neuen Bischofsitz Naumburg über. Im gleichen Jahr installierte man an der altehrwürdigen Zeitzer Kathedrale ein Kollegiatstift. Diese drei bedeutenden geistlichen Institutionen des Mittelalters (Domstift Merseburg, Domstift Naumburg, Kollegiatstift Zeitz), zu denen im 16. und 17. Jahrhundert noch die beiden Fonds des Zeitzer Kirchenkastens und der Zeitzer Prokuratur hinzukamen, überdauerten bis in das 20. Jahrhundert hinein als formal unabhängige Einzelinstitutionen. Als die verheerenden wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs und der Zusammenbruch des Preußischen Staates die Existenz der einzelnen Institutionen erneut gefährdeten, erfolgte 1935 eine tiefgreifende juristische Umwandlung zu Stiftungen öffentlichen Rechts unter einer gemeinsamen Verwaltung in Naumburg sowie unter einem einzigen Aufsichtsgremium: dem Vereinigten Domkapitel. Heute sind die Bewahrung des reichen kulturellen Erbes und die Beförderung aktueller gesellschaftlicher Leistungen Leitlinien der Stiftungsarbeit. 

UNESCO-Komitee

UNESCO-Komitee sagt „Ja“ in Bahrain

NAUMBURG. Der Naumburger Dom gehört nun endgültig zum Welterbe der Menschheit. Das UNESCO-Welterbe-Komitee hat dies heute (1. Juli 2018) in seiner 42. Sitzung in Bahrain beschlossen. Die 21 Mitglieder des Gremiums folgten nach einer ausführlichen Diskussion damit einem Antrag des Karibik-Staates St. Kitts und Nevis, dem sich weitere Staaten wie Ungarn, Tansania, China, Kuweit und Zimbabwe anschlossen. Der deutschen Delegation, die den Naumburger Antrag in Bahrain vertrat, gehörten auch Landrat Götz Ulrich, der Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter, Dr. Holger Kunde, und der Geschäftsführer des Vereins Welterbe an Saale und Unstrut, Roland Thrän, an.

Die Nachricht wird von der Delegation in Bahrain, in Naumburg und der Saale-Unstrut-Region mit großer Freude und Erleichterung zur Kenntnis genommen. Landrat des Burgenlandkreises und Vorstand des Fördervereins Welterbe, Götz Ulrich: „Die Anerkennung ist eine wunderbare Mannschaftsleistung von Bund, Land und unserem Förderverein Welterbe. In Bahrain gab es ein Auf und Ab der Gefühle, aber jetzt ist alles gut. Oft musste ich an Curt Becker denken. Er hätte sich heute mit uns gefreut. Für mich als Landrat kommt es nun darauf an, dass der Burgenlandkreis etwas von der Strahlkraft unseres Domes abbekommt und auch andere kulturtouristische Orte von der Entscheidung profitieren können.“

Stiftsdirektor Dr. Holger Kunde: „Die Aufnahme des Naumburger Doms in das UNESCO-Welterbe erfüllt mich mit großer Freude und Stolz. Ein langwieriger Prozess ist heute erfolgreich abgeschlossen worden. Das Hauptwerk des Naumburger Meisters hat damit endlich die ihm gebührende internationale Anerkennung gefunden. Ich danke allen, die zu diesem hervorragenden Ergebnis beigetragen haben, sehr herzlich.“

Dechantin der Vereinigten Domstifter und Vorsitzende des Fördervereins Welterbe, Professorin Dr. Karin von Welck: „Die Vereinigten Domstifter sind sehr glücklich, dass es nun endlich Wirklichkeit wird, wofür wir und viele andere mit uns seit Jahren gekämpft haben: Die offizielle Anerkennung des Naumburger Doms als Weltkulturerbe der Menschheit. Mit dieser Eintragung in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes haben wir ein Ziel erreicht, dass uns seit Jahren in Anspruch genommen hat und von dem aus wir nun eine ganz neue nationale und internationale touristische Qualität und Beachtung für unsere wunderschöne Saale-Unstrut-Region entwickeln können. Unser großer Dank geht an alle, die mit uns diesen wichtigen Tag vorbereitet und mit uns der Entscheidung in Bahrain entgegengefiebert haben.“

Oberburgermeister der Stadt Naumburg, Bernward Kuper: „Ich bin bewegt und erleichtert. Nach dem positiven Votum der Kommission 2017 in Krakau waren wir zwar zuversichtlich, aber nun haben wir endlich Gewissheit. Der Titel ist für uns eine große Ehre, und wir sind uns der Verantwortung und der Verpflichtung bewusst, die er mit sich bringt. Unser Dank gilt allen Unterstützern im Haupt- und Ehrenamt, die unseren Antrag über die vielen Jahre unermu?dlich begleitet und unterstützt haben. Der Einsatz hat sich gelohnt. Nun werden wir, beflügelt von der Entscheidung, konsequent weiterarbeiten.“

Geschäftsführer des Fördervereins Welterbe, Roland Thrän: „Große Freude und Erleichterung über die Entscheidung des UNESCO-Komitees. Es hat sich ausgezahlt, dass wir nach dem ersten negativen Gutachten im Jahre 2015 durch ICOMOS ohne Irritationen beharrlich an unserem Ziel weitergearbeitet haben. Der Erfolg gibt uns Recht.“

Trauer um Domherr Prof. Dr. Arno Sames

Prof. Dr. Arno Sames, Foto: J. Buchwald

Am Neujahrstag verstarb unser Domherr Prof. Dr. Arno Sames nach kurzer und schwerer Krankheit. Wir erinnern uns in großer Dankbarkeit seines siebzehnjährigen Wirkens als Mitglied des Domkapitels der Vereinigten Domstifter. 

2001 wurde Arno Sames in das Domkapitel berufen und unterstützte seitdem die Aktivitäten der Stiftung. Vor allem in theologischen Fragen war er ein wichtiger Berater. Sein „geistliches Wort“ zu Beginn vieler Kapitelsitzungen, mit dem Domherr Sames auf die jeweilige Tagesordnung einstimmte, wird allen Kapitelmitgliedern in  Erinnerung bleiben. Von März bis November 2013 nahm er zusätzlich die verantwortungsvolle Aufgabe des Seniors (Stellvertreter des Dechanten) wahr.

Für den Standort Merseburg engagierte sich Arno Sames in besonderer Weise: Bei zahlreichen Immatrikulationen und Zeugnisausgaben des Merseburger Domgymnasiums trat er vor Schüler, Eltern und Lehrer und machte sie mit den Aufgaben der Vereinigten Domstifter vertraut. Darüber hinaus war er ein gefragter Berater bei den großen Ausstellungsvorhaben der Vereinigten Domstifter in Merseburg, Naumburg und Zeitz. Die Verbindung zum Merseburger Dom und auch zum Glauben zu schaffen, war ihm ein wichtiges Anliegen.
Als Kirchengeschichtler sah er „in seiner Zugehörigkeit zum Domkapitel die besondere Aufgabe darin, die altehrwürdigen Tradition der Domstifter, die in frommen Stiftungen unserer Vorfahren wurzeln, in ihrer Entwicklung und in ihren Wandlungsprozessen durch die Zeit zu verfolgen und in Übereinstimmung mit ihrem Stiftungszweck für die Gegenwart nutzbar zu machen.“

Prof. em. Dr. theol. habil. Arno Sames wurde 1937 in Zechin (Oderbruch) geboren. Er war mit Hildegunde Sames verheiratet und hat vier Kinder. Seit 1945 lebte die Familie in Schönebeck (Elbe), wo er auch 1955 das Abitur ablegte. Nach dem Theologiestudium in Rostock und Halle (Saale) arbeitete er bis zu seiner Promotion 1968 an der Theologischen Fakultät, legte 1970 das 2. theologische Examen vor der Kirchenleitung in Magdeburg ab und wurde ordiniert. Von 1970 bis 1977 war er Pfarrer an der Laurentiuskirche in Halle (Saale). Danach kehrte er an die Universität zurück, habilitierte sich 1983 für das Fach Kirchen- und Dogmengeschichte und arbeitete von 1984 bis zu seiner Emeritierung 2002 als Dozent und ab 1990 als Professor für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle.

Professor Sames war von 1980 bis 2009 Mitglied der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus, war Gründungsmitglied des Vereins für Kirchengeschichte der Kirchenprovinz Sachsen und von 2003 bis 2009 ihr Vorsitzender. Ab 1990 gehörte er der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt an. Auch für den Verein der Freunde und Förderer der Vereinigten Domstifter e.V. engagierte sich Domherr Sames.